Liebe Besucher*innen der Gessnerallee, liebe Künstler*innen
Die international gefeierte schottische Performerin und Choreografin Claire Cunningham ist am 7. und 8. November mit ihrer neuen Arbeit «Songs of the Wayfarer» zu Gast an der Gessnerallee.
Cunningham arbeitet spartenübergreifend, von intimen Soloperformances bis zu gross angelegten Ensemble-Stücken, und nutzt Interviews, Musik, Skulpturen und Bewegungen, um das Verhältnis von Körper, Glauben, Behinderung und Identität neu zu verhandeln. Für sie sind ihre Krücken körperliche Erweiterung, Teil ihres Körpers, ihres Alltags, ihres Berufs.
In «Songs of the Wayfarer» fragt die Künstlerin, was es bedeutet, zu wandern und nach grossen Höhen zu streben. «Es ist ein Stück über das Loslassen, über das Trauern, aber auch über das Lachen», sagt Cunningham im Austausch mit der Autorin und Journalistin Anna Miller, die für die fünfte Ausgabe der «Gessnerallee Zeitung» ein Porträt über sie geschrieben hat.
In dem Beitrag geht es unter anderem auch um ein wiederkehrendes Thema in Cunninghams Arbeiten: die Idee, dass jede Person ihren eigenen Rhythmus braucht, und schlicht Zeit, um ihr Leben zu meistern und ihre Energien einzuteilen. «Wir verfügen alle nicht über endlose Ressourcen. Erfahrung von Behinderung macht diesen Prozess sichtbar.» Daraus entsteht eine andere Form von Wissen: über Zeit, über Raum, über das eigene Tempo.
«Songs of the Wayfarer» ist ein berührendes Stück, aber auch eins mit viel Humor. Ausgestattet mit Multifunktionsjacke und Wanderstiefeln bezwingt Cunningham Berge aus Krücken sowie projizierte Wanderaufnahmen. Im Gepäck hat sie vier Stücke aus Gustav Mahlers Liedersammlung «Lieder eines fahrenden Gesellen» und jede Menge Wanderausrüstung. Durch die Linse von Crip*-Expertise lädt Cunningham uns dazu ein, genauer darauf zu achten, wie wir uns in der physischen Welt bewegen, während wir gleichzeitig mit tiefgreifenden Verlusten und Veränderungen in unserem Leben umzugehen lernen.
Für Cunningham ist das nicht nur körperlich, sondern auch politisch. «Die Gesellschaft will, dass wir funktionieren. Aber was ist, wenn wir es nicht tun? Wenn der Körper nicht mitmacht? Wenn der Tag anders verläuft als geplant?» Ein behindertes Leben, sagt sie, bringe eine besondere Art von Wissen mit sich – die Fähigkeit, sich ständig neu auszurichten, von alltäglichen Abläufen bis hin zu tiefgreifenden Lebensentscheidungen. Und auch: zu lernen, was man festhalten muss – und was man besser leicht hält oder loslässt.
* Crip ist eine politische und kulturelle Identität, die von manchen behinderten Menschen als positive Selbstbezeichnung genutzt wird.
Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket für «Songs of the Wayfarer»!