Liebe Besucher*innen der Gessnerallee, liebe Künstler*innen
Seit dem Saisonstart vergangenen Sommer arbeiten Ramona Unterberg und Manuel Gerst als Diversitätsagent*innen an der Gessnerallee. Für diesen Wochenbrief haben wir ihnen drei Fragen zu ihrer Arbeit gestellt.
Ihr seid im August des letzten Jahres als Diversitätsagent*innen an der Gessnerallee gestartet. Wie beschreibt ihr eure Arbeit im Kern?
Ramona Unterberg: Im Kern machen wir Diversitätsentwicklung: Wir unterstützen diskriminierungskritische Öffnungsprozesse der Gessnerallee auf den Ebenen Publikum, Programm, Personal.
Manuel Gerst: In Bezug auf Sensibilisierung und Zugänglichkeit überlegen wir gemeinsam, wie sich die Gessnerallee noch weiter für marginalisierte Gruppen öffnen kann. Hierzu erarbeiten wir konkrete Massnahmen, die nach aussen wirken. Ein grosser Teil der Arbeit ist jedoch auch die Arbeit an internen Strukturen.
Welcher Moment ist euch im Rahmen eurer Funktion bislang besonders in Erinnerung geblieben?
Manuel Gerst: Wir machen aktuell eine Kooperation mit der Organisation «Sensability», die Institutionen in Bezug auf Barrierefreiheit berät. Im Dezember haben wir zusammen einen internen Workshop organisiert, bei dem die Teilnehmenden die Perspektive einer Person mit Behinderung einnehmen sollten. Wir waren im Vorfeld ziemlich aufgeregt, wie das funktionieren und, vor allem, wie der Workshop im Team ankommen würde. Am Ende waren wir sehr erleichtert, dass es so viele positive Rückmeldungen gab und es darüber hinaus einen verstärkten Teambuilding-Effekt hatte.
Wo liegen die grössten Herausforderungen eures Jobs?
Manuel Gerst: Es gibt nach wie vor kaum Erfahrungs- und Referenzwerte, weswegen wir auch versuchen, uns mit Kolleg*innen von anderen Kulturinstitutionen auszutauschen. Das Feld der Diversitätsentwicklung steckt in den Kinderschuhen und wird leider sogar wieder vermehrt eingekürzt. Es ist ein Kraftakt, den Bereich nach aussen zu kommunizieren und Menschen aus marginalisierten Gruppen überhaupt zu erreichen. Aber wir haben ja noch ein paar Jahre Zeit und sind maximal zuversichtlich.
Ramona Unterberg: Unsere Stellen sind neu und viele Aufgaben und Prozesse greifen in etablierte Prozesse und Verantwortungsbereiche ein. Zusammen zu verlernen und neue Prozesse geduldig und im Idealfall sinnvoll aufzugleisen, ist dabei für mich die herausforderndste Chance.